Körperbilder
Ein positives Körperbild wirkt sich direkt auf unser Selbstbild und Wohlbefinden aus, was Einfluss auf unsere psychische Gesundheit nimmt. Aufgrund dieser gesundheitsförderlichen Einflüsse setzt die Agenda Gesundheitsförderung einen Schwerpunkt auf die Entwicklung und Stärkung gesundheitsförderlicher Körperbilder.
Hier finden Sie Projekte, die gezielt Maßnahmen zur Förderung eines positiven Körperbildes setzen:
Projekt „YOUareART – Ungefiltert Schön“
Das Projekt „YOUareART - Ungefiltert Schön“ hat das Ziel, den Einfluss von in sozialen Medien vermittelten Schönheitsidealen auf das Körperbild junger Menschen aufmerksam zu machen. Es möchte junge Menschen dazu ermutigen sich kritisch mit diesen Idealen auseinander zu setzen, dem sozialen Druck selbstbestimmt zu begegnen und ihre eigene Einzigartigkeit als Stärke zu erkennen.
YOUareART ist eine Kooperation der Gesundheit Österreich GmbH (Kompetenzzentrum Zukunft Gesundheitsförderung) im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK), gemeinsam mit dem Institut für Frauen- und Männergesundheit FEM Süd und MEN, dasWeil, der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien sowie der Heidi Horten Collection.
Im Rahmen des Projekts wurde eine Informations- und Sensibilisierungskampagne auf der Projekt-Webseite und in sozialen Medien umgesetzt. Sie wird von der Gesundheit Österreich (Kompetenzzentrum Zukunft Gesundheitsförderung) in Kooperation mit der Kreativagentur dasWeil umgesetzt und vermittelt Inhalte über Awareness, Aufklärung und Empowerment rund um Körperbilder, Schönheitsideale und den Einsatz von „Beauty-Filtern“ sowie deren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit. Darüber hinaus bietet sie konkrete Hilfestellungen und lädt Interessierte ein, selbst aktiv zu werden: etwa durch die digitale Bearbeitung von Kunstwerken, um die Problematik von unrealistischen Schönheitsidealen sichtbar zu machen.
Ziel der Kampagne ist es, den Zusammenhang von Schönheitsidealen und psychischer Gesundheit aufzuzeigen, für die Wirkung von „Beauty-Filtern“ zu sensibilisieren und einen reflektierten Umgang mit vermittelten Körperbildern und Schönheitsidealen zu fördern.
Ein weiterer zentraler Bestandteil des Projekts sind kostenlose Workshops für junge Menschen von Psycholog:innen gemeinsam mit Kunstvermittler:innen. Diese finden direkt in Museen statt und bearbeiten die Themen kritische Medienkompetenz, Selbstwert und Körpernormen anhand von Kunstwerken. Zielgruppe der Workshops sind junge Menschen, mit einem Fokus auf sozioökonomisch benachteiligte Gruppen.
In der Pilotphase des Projekts (Anfang 2025 bis Mitte 2026) wurden die Workshops vom Institut für Frauen- und Männergesundheit FEM Süd und MEN gemeinsam der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien sowie der Heidi Horten Collection umgesetzt.
Die Workshops dauern in der Regel zwei Stunden und werden direkt im Museum immer gemeinsam von einer Psychologin/einem Psychologen und einer/einem Kunstvermittler:in durchgeführt. Der Museumsraum eröffnet dabei einen besonderen Zugang zu den Themen des Projekts. Kunst und Kunstvermittlung ermöglichen es, persönliche und gesellschaftliche Fragestellungen kreativ, spielerisch und zugleich reflektiert zu bearbeiten. Gleichzeitig möchte YOUareART Museen für Zielgruppen öffnen, für die ein Museumsbesuch möglicherweise keine Selbstverständlichkeit ist oder aufgrund finanzieller und sozialer Barrieren nicht leicht zugänglich ist.
Die Workshops richten sich an Schulklassen sowie außerschulische Freizeit- und Bildungseinrichtungen für Jugendliche und junge Menschen im Alter von ca. 14 bis 20 Jahren. Die Teilnahme an den Workshops ist kostenlos. Die maximale Gruppengröße beträgt – je nach Museum – etwa 15 Personen. Für größere Gruppen besteht die Möglichkeit, die Workshops parallel durchzuführen. Während der Workshops wird mithilfe einer App auf ausgewählte Kunstwerke ein Beauty-Filter gelegt. So können die Jugendlichen unmittelbar ausprobieren und erleben, wie sich die Darstellung eines Kunstwerks durch digitale Schönheitsfilter verändert.
Um eine wissenschaftliche Grundlage für die Weiterentwicklung und Bewertung der Workshops zu schaffen, werden diese mittels eines kurzen Fragebogens evaluiert (externe Evaluation). Die Teilnehmer werden gebeten, jeweils vor und nach dem Workshop einen Fragebogen auszufüllen. Die Befragung kann auch online durchgeführt werden und ist selbstverständlich anonym.
Ab 2027 sollen die Workshops in Wien fortgesetzt und weitere Museen und Partner:innen für eine Umsetzung gewonnen werden. In Linz ist seitens des Instituts für Suchtprävention und des Frauengesundheitszentrums Linz gemeinsam mit Lentos geplant, das Projekt aufzugreifen. Für die Umsetzung von Workshops in weiteren Regionen wird derzeit an einem Handbuch und an Schulungen für weitere Umsetzende gearbeitet.
Weitere Informationen zum Projekt und zur Kampagne finden Sie auf der Projekt-Webseite unter folgendem Link: https://www.youareart.at/
Projekt „Body Project Austria“
Das Body Project wurde ursprünglich am Oregon Research Institute, der Stanford University und der University of Texas in Austin entwickelt und wissenschaftlich evaluiert. Das Programm wurde 2000 erstmals umgesetzt und im Rahmen eines über 25 Jahre andauernden Forschungsprogramms kontinuierlich weiterentwickelt und an unterschiedliche Zielgruppen angepasst. Inzwischen wurde das Body Project in mehr als 125 Ländern mit über 3,5 Millionen Mädchen und jungen Frauen durchgeführt.
Ziel der Intervention ist es, Schlankheits- und Schönheitsideale kritisch zu reflektieren und deren Einfluss auf das Körperbild zu verringern. Das Programm basiert auf der Theorie der kognitiven Dissonanz: In vier wöchentlichen, jeweils einstündigen Workshops setzen sich die Teilnehmer verbal, schriftlich und in praktischen Übungen mit gesellschaftlichen Schönheitsnormen auseinander. Durch die wiederholte und gemeinschaftliche Ablehnung dieser Ideale sowie die Auseinandersetzung mit deren sozialen und psychischen Kosten wird die Verinnerlichung solcher Ideale messbar reduziert.
Das Body Project Austria adaptiert dieses international erfolgreiche Programm für den österreichischen Kontext. Es richtet sich vor allem an junge Menschen zwischen 15 und 18 Jahren und wird in Schulen und Jugendeinrichtungen umgesetzt. Ziel ist es, zur Stärkung des Selbstwertgefühls und eines positiven Körperbilds beizutragen sowie Risikofaktoren für Essstörungen frühzeitig zu verringern.
Bei der Umsetzung stehen partizipative Elemente im Mittelpunkt: Jugendliche bringen als Expert:innen ihrer Lebenswelt ihre Perspektiven aktiv ein. Darüber hinaus wird das Projekt durch eine interdisziplinäre Stakeholder-Gruppe begleitet und arbeitet mit der „Body Project Community of Practice“ (CoP) zusammen. Für Fachkräfte besteht die Möglichkeit, am Train-the-Trainer-Programm teilzunehmen und das Konzept künftig eigenständig umzusetzen.
Im Mittelpunkt stehen vier einstündige Workshops, die in kleinen Gruppen mit acht bis zwölf Jugendlichen über einen Zeitraum von vier Wochen durchgeführt werden. Die Jugendlichen entwickeln neue Perspektiven auf Körperbilder, Schönheitsideale und Selbstakzeptanz und setzen sich in gesprächsbasierten, schriftlichen und interaktiven Übungen mit gesellschaftlichen Schönheitsnormen auseinander. Dabei reflektieren sie auch die möglichen Auswirkungen des Strebens nach Körperidealen auf das Selbstwertgefühl, die psychische Gesundheit und den Alltag. Die Workshops werden durch wissenschaftliche Forschung begleitet: die Jugendlichen füllen vor und nach der Teilnahme Fragebögen aus, um Veränderungen und Wirkungen der Intervention zu erfassen.
Die Umsetzung der Pilotphase in Österreich (Anfang 2025 bis Ende 2026) ist ein Förderprojekt der Agenda Gesundheitsförderung, kofinanziert von Fond Gesundes Österreich, umgesetzt wird es durch queraum. kultur- und sozialforschung (Wien), Ferdinand Porsche FERNFH (Wissenschaftliche Begleitforschung), Institut für Frauen- und Männergesundheit (Wien), Institut für Suchtprävention pro mente OÖ (Oberösterreich) und dem Netzwerk Essstörungen (Tirol) in den drei Pilotregionen Oberösterreich, Tirol und Wien umgesetzt.
Eine kompakte deutschsprachige Darstellung des Body Project Austria finden Sie im neuen Good Practice Portal des Kompetenzzentrums Zukunft Gesundheitsförderung. Neben dem methodischen Ansatz bietet die Darstellung weiterführende Informationen zur Umsetzung, Wirkung und Evaluation sowie zu zentralen Lernerfahrungen aus dem Projekt.
Zur Maßnahmenbeschreibung im Portal: Body Project | Good Practice
GoodPracticeProfil_BodyProject.pdf
Weitere Informationen von den Entwickler:innen des Modells finden Sie unter: https://bodyprojectinfo.org/
Materialien und Ressourcen des Programms stehen unter folgendem Link zur Verfügung: https://bodyprojectinfo.org/documents
Sowie auf den Webseiten der Umsetzenden aus der Pilotphase in Österreich:
Body Project Austria – FEM Süd
Body Project Austria – queraum
Body Project Austria – Institut Suchtprävention
Body Project Austria – Netzwerk Essstörungen
Ab 2027 soll das Body Project Austria in weiteren Regionen Österreichs umgesetzt werden. Dafür wurde ein Handbuch und ein Training entwickelt. Neue Umsetzende werden dabei durch ein Training eingeführt und weitere, qualitätssichernde Maßnahmen unterstützt.