ready4life

Kurzbeschreibung

ready4life ist ein Coaching-Programm für Jugendliche und junge Erwachsene (die Zielgruppe wurde im Verlauf erweitert) zur Förderung von Stress- und Sozialkompetenzen, zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit gegenüber riskantem Substanzkonsum (Alkohol, Nikotin, Cannabis), zur Vorbeugung problematischer Internet- und Smartphonenutzung sowie seit 2024 auch zur Förderung von Bewegung. ready4life unterteilt sich in einen Workshop „be smart“, der in der Schule, im Lehrbetrieb oder anderen Organisationen durchgeführt wird und ein anschließendes digitales Coaching via App. Innerhalb der App erhalten Jugendliche Informationen zu den diversen Themenbereichen und werden von einem virtuellen Coach, in Form eines Avatars, dazu angehalten, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren. Die App immer wurde/wird immer wieder überarbeitet und auch erweitert. Zusätzlich können Raucher:innen, sowie Cannabiskonsument:innen freiwillig an einem EXTRA-Coaching teilnehmen, das sie dabei unterstützt, ihren Konsum zu reduzieren oder damit aufzuhören. ready4life bietet auch ein Coaching zum risikoarmen Trinken, das jugendgerechte Safer-Use-Regeln beinhaltet. Des Weiteren beinhaltet die App ein Social Media und Gaming-Tagebuch sowie einen Bewegungs-/Aktivitätentracker.

Erfüllte Good Practice Kriterien

- Spezialkriterium: Interventionen Gesundheitsförderung und Digitalisierung
- Qualitätskriterien der Gesundheitsförderung
- Übertragbarkeit und Weiterentwicklung
- Wirkannahmen & -modell
- Evaluation der Wirksamkeit

Problembeschreibung

• Der Einstieg in die Berufswelt geht für Lehrlinge mit einer Vielzahl von Veränderungen und neuen Herausforderungen einher. Größerer finanzieller Handlungsspielraum und die soziale Ablösung von den Eltern resultieren in einer höheren Autonomie. Gleichzeitig wächst bei Lehrlingen die Verantwortung für das eigene Handeln. Das betriebliche Umfeld konfrontiert sie mit einer Arbeitsrealität, die häufig auch mit Stress, Zeit- und Erfolgsdruck einhergeht. Auch der Umgang mit Arbeitskolleg:innen, Vorgesetzten und Geschäftspartner:innen oder Kund:innen stellt neue Anforderungen an die Sozialkompetenz der Lehrlinge dar. Dementsprechend ist die Phase des Lehrbeginns auch mit gesundheitlichen Risiken, insbesondere erhöhtem Substanzkonsum, verbunden.

• Aus unterschiedlichen Untersuchungen – etwa der ESPAD-Studie 2015 ließen sich Unterschiede im Konsumverhalten von Lehrlingen zu Schüler:innen aus anderen Schultypen erkennen. Beim Alkoholkonsum war damals schon ersichtlich, dass Jugendliche, welche die Polytechnische oder die Berufsschule besuchten (PTS/BS), mehr Alkohol tranken und häufiger im berauschten Zustand waren, als Schüler:innen anderer Schultypen. 70% der Jugendlichen der PTS und Berufsschule gaben an, im letzten Monat Alkohol konsumiert zu haben. Im Gegensatz zu AHS-Schüler:innen (16%) gaben dabei 26% der Schüler:innen in der PTS und Berufsschule an, in den letzten 30 Tagen mindestens einmal stark berauscht gewesen zu sein. Diese Daten wurden auch in den Evaluationsergebnissen der SEYLA –Befragung (Saving And Empowering Young Lives in Austria 2016) bestätigt. In dieser Studie (Tirol, Steiermark, Wien und OÖ, n=5.966) wurden auch 1.522 Jugendliche aus Oberösterreich befragt und vom Institut Suchtprävention ausgewertet. 26,9% der oberösterreichischen Berufsschüler:innen gaben an, öfters in der Woche Alkohol zu konsumieren und 2,6 % gaben einen täglichen Konsum an. Weiters wurde auch nach der Intensität der Berauschung gefragt: Knapp 28 % der Berufsschüler:innen gaben an, 10mal oder öfters „richtig betrunken“ gewesen zu sein. Im Vergleich dazu waren es bei den AHS-Schülerinnen nur 4,4 % und bei den HTL- und HAK-Schülerinnen 11,4%.

• Neben dem Alkoholkonsum untersuchten die SEYLA- und ESPAD-Studien auch den Tabakkonsum der Jugendlichen. Dabei war klar zu erkennen, dass Berufsschüler:innen nicht nur mehr Alkohol konsumieren, sondern auch der Anteil der täglichen Raucher:innen im Vergleich zu Jugendlichen anderer Schultypen eindeutig höher lag. Die ESPAD-Ergebnisse zeigten weiters, dass Schüler:innen aus Berufsschulen und Polytechnischen Schulen im Tabakbereich (Tabak, Shisha und E-Zigaretten) die höchste Lebenszeitprävalenz aufweisen. 70% der Schüler:innen der PTS und BS hatten mindestens einmal in ihrem Leben eine Zigarette geraucht, 66% hatten Erfahrung mit Shishas und 43% hatten schon einmal eine E-Zigarette geraucht. Aus den SEYLA-Daten war zu entnehmen, dass der Anteil der täglich rauchenden Berufsschüler:innen im Vergleich zu Jugendlichen anderer Schultypen verhältnismäßig groß war: Auf die Frage: „Innerhalb der letzten 30 Tage: an wie vielen Tagen hast du Zigaretten geraucht?“ haben 8,4% der AHS-Schüler:innen, 15,1% der Schüler:innen aus HTL und HAK und 45,8% der Berufsschüler:innen mit „alle 30 Tage“ geantwortet. Aktuellere Ergebnisse des OÖ-Drogenmonitorings (Lehner, Paulik, Seyer 2019) bestätigen diese Angaben. In der Altersgruppe der 15–19-Jährigen (n=210) gaben lediglich 5,4% der Schüler:innen und Studierenden an, täglich zu rauchen. Bei den Lehrlingen hingegen lag der Anteil der täglichen RaucherInnen bei 42,9%.

• Suchtpräventive Angebote im Bereich der Lehre und der Berufsschule gestalten sich oftmals herausfordernd. Es ist kaum möglich, Projekte über einen längeren Zeitraum hinaus durchzuführen, da in Oberösterreich fast alle Berufsschulen auf Lehrgangsklassen ausgelegt sind. Der dichte Lehr- und straffe Zeitplan innerhalb eines 8-10-wöchigen Berufsschullehrgangs in Kombination mit dem permanenten Wechsel von Berufsschüler:innen innerhalb eines Schuljahrs (4 Lehrgänge pro Schuljahr) lassen längerfristig angelegte Projekte nur schwer zu. Aus diesen Gründen sind auch Angebote, die sich direkt an Schüler:innen richteten, sowohl zeitlich als auch inhaltlich sehr begrenzt und beschränken sich oftmals auf Einmalinterventionen in Form von themenspezifischen Kurzworkshops im Ausmaß von max. 2 UE pro Berufsschullehrgang (z. B. „Workshop Alkohol“). Als eine Möglichkeit diesen Schwierigkeiten entgegenzutreten, dient der Einsatz von digitalen Interventionstools.

Die Ausführungen beziehen sich auf den damaligen Projekteinstieg, die Zielgruppe hat sich seither erweitert.